Geschichte, Bedeutung und Wirtschaftsstruktur

Weitläufige Gemeinde (ca. 60 km2) im oberen Simmental. Mit Dörfern und Weilern im Talboden von Simme und Fermelbach sowie Wäldern und Alpen an beiden Talhängen. Bestehend aus den Bäuerten (Gütergemeinschaften) Ried , Häusern, Grodey, Matten, Fermel, Obersteg, Zu Hähligen.

Kirchgemeinde St. Stephan mit der Kirche im Ried. Entstanden im Jahre 1352 unter dem Namen Sant Stephan.

Auf die Passverbindung zum Wallis weist der ehemalige burgundische Königshof Matten, der 994 als Schenkung ans elsässische Kloster Selz kam. Im Mittelalter gehörte das Gemeindegebiet zur Herrschaft Mannenberg, und zwar zum Eigenbesitz der Freiherrschaft von Raron, verwaltet in der Herrschaft Mannenberg-Reichenstein, die 1456 an die Herren von Bubenberg, 1494 an die Stadt Bern gelangt (Kastlanei Obersimmental). Die ehemalige Wallfahrtskapelle (Stephanspatrozinium), ein im 12. und 15. Jahrhundert erweiterter, mit Wandmalereien und Flachschnitzdecken ausgeschmückter Bau, war Filiale der Kirche Zweisimmen mit eigenem Priester. Sie unterstand somit deren Patronatsherr, ab 1335 dem Kloster Interlaken. Dieses verschloss sich bis 1552 dem Wunsch der Bevölkerung nach einer eigenen Pfarrei, trotz Bewilligung durch Papst und Basler Konzil von 1430/33. Die Lenk hatte sich bereits 1504/13 kirchlich von Zweisimmen/Stephan gelöst.

Die Reformation wurde nach Widerständen 1528 angenommen.

Im 16. Jahrhundert ging St. Stephan dank gesicherter Kornmärkte auf Viehwirtschaft (Mast, Alpkäserei) im Tal-, Vorsass- und Alpbetrieb über. Zusatzverdienst in Vieh-, Forst-, Alpwirtschaft (Genossenschafts-Korporationsalpen), in Gewerbe (Baugewerbe, Kies- , Betonwerke) und Tourismus (Hotellerie und Parahotellerie, Sportbahnen und Skilifte im Verbund mit der Skiregion Gstaad). Seit 1912 ist St. Stephan mit Zweisimmen durch die Montreux Oberland Bahn (MOB) verbunden. Ein Drittel der Erwerbstätigen pendelt vor allem nach Zweisimmen und an die Lenk.

 

Als zweitletzte Gemeinde des Simmentals (vor Lenk) und zugleich als kleinste, bildet St. Stephan mit den Gemeinden Boltigen, Zweisimmen und Lenk den Amtsbezirk Obersimmental, mit Sitz in Blankenburg.

Der Name der Gemeinde stammt aus der Zeit der Christenverfolgung. Ein Soldat der thebäischen Legion, namens Stephanus, versteckte sich in einer Schlucht am Eingang zum Fermeltal, dem heutigen Zu Hähligen, und lebte dort als Einsiedler.

St. Stephan ist eine langgezogene Gemeinde mit einer Fläche von ca. 60 km2. Der Talboden liegt 1000 m.ü.M und zieht sich in eine Länge von ca. 8 km. Eine Besonderheit ist, dass St. Stephan über keinen zentralen Hauptort verfügt, der den Gemeindenamen trägt.

St. Stephan blieb nicht verschont von Katastrophen. Bekannt sind im 1892 ein Dorfbrand in der Bäuert Häusern, wo 32 Häuser abbrannten, mehrere Lawinenniedergänge (namentlich vom Gandlauenen bis in die Talsohle und im Fermeltal) sowie Wildbachüberschwemmungen als Folge von Unwettern. St. Stephan ist der Sammelname der sechs Bäuertgemeinden Ried, Häusern, Grodey, Matten, Obersteg-zu Hähligen und Fermel. Jede Bäuert hat eine eigene Organisation und Verwaltung sowie je ein Sitz im Gemeinderat. Dieser trägt als Gemeindeexekutive die politische Verantwortung.

Abschliessend kann man sagen, dass St. Stephan als ruhender Pol unserer Region betrachtet werden kann. Ein Ort, der mit seinem aktiven Leben und Wirken viel für die Zukunft des Obersimmentals beiträgt.

 

Gemeindestruktur

 

(Diese Zahlen stammen aus dem Entwicklungskonzept 2010 der Bergregion Obersimmental/Saanenland).

Von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung für unsere Gemeinde und Region ist der Holzverarbeitungsbetrieb der Firma Holzwerk Rieder AG, der zwischen 30 - 40 Personen beschäftigt. Unser Gewerbe und die Landwirtschaft bemühen sich, das Angebot und die Leistung fortwährend zu verbessern.

 


Sehenswürdigkeiten

Kirche St.Stephan

Nebst den prächtigen Bergen und den alten Bauernhäusern ist unsere alte Kirche aus dem 13. Jahrhundert, die dem heiligen Stephanus geweiht wurde, sehr sehenswert. In dieser Kirche steht die älteste Orgel des Obersimmentals - erbaut 1778.

 

Wie erreicht man St. Stephan 

 

Wie erreichen Sie St.Stephan?

 

 

Der Lindwurm im Ried

Im Fridhoof im Ried, inenaha der Sant-Stäffe-Chilche, chunt äs Bächli us em Bode ueha. Gwöönlich ischt das Wasser sufersch, aber hie ud daa chunt s ganz milchigs ud brusligs. De sägen albe di aalte Lüt: "Ähä, jajaa! Der Lindwurm im Bäärg ina wurmet ud dreejt sich umhi. Will’s Gott, chunt er net loes!" Di Junge lachen oppa u säge, das sigi en ifalta, aalta Abergluube.

Es git en aalti Saag dadrüber, wo nu mee wiis. Ina vo dene weenige Chrischte vo der thebäische Legioon, wo dem Bluetbaad vo St. Maurice eggangen ischt, Stephanus het er ghiisse, het sich chene uber d Bäärga flüchte un ischt in üüs Taal choe.

Die Lüt, wo daa gläbt hii, si nuch ali zeme Hiide gsi u hii nu gar nüt ghöert vom Chrischtchind im Stall vo Bethlehem u nüt vom Chrüz uf Golgatha. Si hii i der Angscht un im gröeschte Elend gläbt. Es ischt aber och e Miseree gsi i dem Taal, net zum säge! E schützlicha, grüwlicha Lindwurm, wo fascht uusgsee het wi ne Hidox, aber mee wa zwenzg Schritt lenga gsi ischt ud dicker wäder der dickischt Buum, het ne allz verwüeschtet. Im Ried nebem groessa Wendelstii het er si Hööli gchäbe. Jedesmaal, wen er mit sim gringlete, grusige Liib us sim Loch usagschlüffen ischt, het er e groessa Schade aagrichtet. Ds iint Maal ischt er i d Wiid ibbroche, wo ds Vee gwidet het, u het, u het e Chue zerschrisse ud di andere Tieri i Gräbe u Chräche versprengt. Ds ander Maal, we der Giishirt d Giis i d Allmi tribe het, ischt er us em Gschtrüpp usagschosse; Hirt u Gficht si uuf u dervoe, was hescht, was gischt, de Hüsere zue. Aber fascht ging het e praavi Mutta oder es glatts (glatthaariges) Gibi gfeelt. Mengischt isch der Lindwurm dur ds gwaxe Höuw oder dur d Chorenachera uus gschloffe u het allz bi Hack u Bitz, stübis u rübis i Bode inhigwalzet, erger als ene Tremelfuer. Oder er het i der Nacht e Stalltüür oder e Stallwand iitrückt u het usagriicht, was im passt het. O d Lüt si net sicher vur im gsii. Der iint ud der ander, won uf d Jagd oder i ds Holz ggangen ischt, ischt nit mee zruggchoe. Di sterchschte Mana hii nüt uusgrichtet gäge das Utier; im Gägetiil, jeda, wo mit im gstrusset het, ischt zerschrisse worde. U mit kir Lischt u kim Trick hii si bhuutet, das Unghüüur in e Fale z löeke oder ses z ubertrüsele. D Lüt hii sich nüt mee gwüsst z hälffe; si si veraarmet, u d Gäget ischt blätzewiis verwilderet.

E settigi Zueversicht het der Stephanus aatroffe, won er in üüs Taal choen ischt. Är het dene Lüte, wo schiergaar net mee hi gewüsst, wo uus un aa, vom Chrischtus , vom Erlöeser erzellt. Da hii si umhi schier Muet überchoe, u menga Maa u Pursch u mengi Frouw u mengs Miitschi si Chrischte worde. U was bis dahii di sterchschte Mana net hii bhuutet, der Stephanus het ses chene. Ä ischt mit sir junge Chrischtgmii i ds Ried zur Lindwurmhööli ggange. Är selber ischt ufe Wendelstii uehi gstande u het vo obna zu dene Lüüte prediget. Iez uf ds Maal het s i der Hööli aafaa rassle, ds Bächli ischt trüebs gschosse. Si hii uuf ud dervoo welle, aber vur Angscht het niemen ab Fläcke chene. Da streckt der Stephanus sis Chrüz gäge Drachen uus u het zuen im gredt in ere fremde Spraach, i starche Worte, wo si net hii gwüsst z düte. Der Lindwurm het zerscht tobet u bbrüelet u Füür gstuwe, derna pfuufet u grochlet, gchichet u gchürchlet, wi wen er ab dene Worte schiergaar müessti erworge, ud due het er schich umddreejt un ischt i der Hööli verschloffe, u siterhaar het ne nieme mee gsee.

Speter ischt uf dem Platz ds Chilchli bbuwe worde, d Chilche z Sant-Stäffe, u ds Chrüz hii si ufe Turen uehi gsetzt. Nu mengs hundert Jaar lang si Pilger vo wit haar zu dem Chilchli gwaalfaartet, u menga het daa d Chraft gfunde, dem Böese z were.

Mu siit, we ds Chrüz net mee stüendi, su cheemi der Drach umhi vürha u ds aalt Elend wee umhi daa. Der Lindwurm ischt nu ging net toet, gluubet s nume! Vo Zit zu Zit wurmet u dreejt er schich umhi, ud de chunt äbe ds Wasser trüebs. Lachert nume net! Wär schoe tüüf i di menschlichi Seel ahigsee het, där wiis, was daa für schröcklechi Unghüür huse un a der Chötti rassle u si gääre zerschrisse. Mu het ooch an andere Orte erfaare, wo ds Chrüz uf d Site grumt oder verboge worde ischt, das e Drach di oberi Hand uberchoe u fürchterlich ghuset het.

Ud drum ischt dia Saag vom Lindwurm im Ried für dee, wo si rächt verstiit, ki ifalta Abergluube. Sia ischt win e aalta, uusggrabna Chrueg mit eme Schatz drinde.